Frage:
Wie lerne ich Stücke von CDs rauszuhören? Ich kenne Leute, denen scheint das überhaupt nicht schwer zu fallen, ich brech mir aber immer einen dabei ab und nie klingt das so wie das Original...

Antwort:
Das braucht 'ne Menge Zeit bis man/frau die Erfahrung und die Routine gewonnen hat, um Melodien, Akkorde und Rhythmen genau zu erkennen und bestenfalls auch noch aufschreiben zu können, damit das Ganze auch nicht so schnell wieder vergessen wird. Meine ersten Schritte in diese Richtung waren das Fach "Gehörbildung" während meinem (gloreichen ;-) Musikstudium in Köln. Da lernten wir als erstes Intervalle zu bestimmen, also die Abstände zwischen zwei Tönen.

Das fing relativ harmlos mit Ganz- und Halbtonschritten an, die uns auf dem Klavier vorgespielt wurden und ging weiter über die ganze Tastatur über mehrere Oktaven lernten wir alle Intervalle nur nach Gehör zu bestimmen. Später kamen Dreiklänge Dur, Moll, vermindert, übermäßig, Sept-, Sext-, Nonen- und Sus-Akkorde dazu - es ist wirklich interessant, wie das menschliche Ohr sich bestimmte Klänge durch Training einprägen kann...

Natürlich wurde auch trainiert, Melodien und Rhythmen zu erkennen - immer durch Vorspielen/Klopfen kurzer Passagen, die wir dann in Notenschrift aufschreiben mussten. In dieser Zeit fing ich an Musik etwas analytischer zu hören, was wiederum trainierte (allerdings manchmal auch den Spaß versaute ;-). Das Ganze schärfte meine Ohren jedenfalls ganz prima und ließ mich bewußter für ALLE Töne werden, die in einem Musikstück klangen (es sind ja meist mehrere Töne zur gleichen Zeit..)


Um Dein Gehör auf diese Art zu trainieren kannst Du heutzutage prima den Computer benutzen. Es gibt dafür eine Menge z.T. Freeware Programme, die das Vorspielen von Übungen ganz hervorragend machen. Das meiner Meinung nach beste Programm in der Richtung EARMASTER PRO kostet allerdings ein bisserl, trainiert allerdings oberamtlich...
Mein Testbericht dazu:
http://www.gitarrenlinks.de/earmasterpro.htm

EARMASTER gibt's hier bei Notenbuch.de:
http://tinyurl.com/pldpb

Andere Gehörbildungsprogramme hier:
http://www.gitarrenlinks.de/lernprog.htm

Gehörbildung ist aber nur EINE Grundlage um Stücke genau heraushören zu können. Wichtig ist, daß Du viel Erfahrung sammelst beim Spielen von Licks, Melodien, Akkordfolgen und Spezialtechniken die üblich sind in der Musik, die Du raushören möchtest. Raushören ist für mich oft eher ein WIEDERERKENNEN von Tonfolgen, die ich gut kenne und selbst häufig anwende - also arbeite an Deinem Repertoire, spiele möglichst viel Stücke, übe alle möglichen Licks & Tricks in Deiner Lieblingsmusik.

Auch sehr hilfreich ist, wenn Du Grundlagen in Harmonielehre lernst. Wie heißt es so schön "Alle kochen mit Wasser", die Bands und Musikanten benutzen bewußt oder unbewußt meist ganz typische Akkordfolgen, die Du beim Harmonielehre Studium kennenlernst - das neue Buch von Volkmar Kramarz "Popformeln" aus dem letzten Letter ist da z.B. eine Fundgrube:
http://tinyurl.com/re7zt


Auch wenn Du viele Skalen kennst und die harmonischen Zusammenhänge zu Akkorden, kannst Du Dir schneller erklären, was da grade in der Passage abgeht, die Du Dir raushören möchtest. Die Theorie ist da sehr hilfreich für die Praxis und führt Dich oft durch Logik zum Ziel (das war jetzt aber wieder ein Satz... ;-)

Was Dir jetzt noch fehlt ist ein gutes Programm, mit dem Du Dir einzelne Passagen genau anhören kannst, möglichst auch in langsamer Geschwindigkeit ohne die Tonhöhe zu ändern. Das beste (käufliche) programm in dieser Richtung ist für mich TRANSCRIBE von einem englischen Musiker gemacht, der genau weiß, worauf es ankommt:
http://www.seventhstring.com/

Aber auch einige gute Freeware gibt's (z.B. Best Practise), schaut mal hier vorbei:
http://www.gitarrenlinks.de/musprog.htm


Also nochmal im Kurzformat:
1. Gehör trainieren
2. Repertoire an Spieltechniken & Rhythmen draufschaffen
3. Sich auch in der Harmonielehre auskennen
4. Ein gutes Raushör Programm benutzen

Ansonsten noch Geduld, Geduld, Geduld..... ;-)

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